Beschwerde gegen die schlampigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft (english translation herinafter)

Ich kann die gerichtliche Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen wegen Verdachts auf schweren gewerbsmäßigen Betrug und Pyramidenspiel der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) im April 2016 nicht hinnehmen und habe die Oberstaatsanwaltschaft eingeschaltet und eine ausführliche Dienstaufsichtsbeschwerde eingebracht. So habe der Staatsanwalt im Juli 2015, nach vier Jahren Ermittlungen, der Oberstaatsanwaltschaft den Entwurf eines Strafantrags geschickt, der wegen „gravierender Formalfehler und elementarer inhaltlicher Mängel“ zurückgestellt habe werden müssen. Der Staatsanwalt die formalen Kriterien nicht eingehalten: Nach dem Inhaltsverzeichnis sei die Überschrift „Begründung“ einzufügen, und der Ermittler hätte sich auf den „für den Anklagetenor relevanten Sachverhalt“ beschränken und seine Begründung „in verständlicher Form illustrativ ergänzen“ müssen, rügt die Oberstaatsanwaltschaft. „Zu den übrigen korrekturbedürftigen Schreib- bzw. Tippfehlern wird auf die farblichen Markierungen im zurückgestellten Entwurf des Strafantrages verwiesen“, so die OStA an die WKStA in einem Schreiben.

Trotz dieses Verbesserungsauftrags, der am 9. Juli 2015 gekommen ist, sei der Staatsanwalt untätig geblieben. Dies, obwohl die WKStA die Korrekturen schnell einarbeiten hätte können.

Als nach Ablauf von mehr als zwei Monaten noch immer kein verbesserter Strafantrag eingebracht worden sei, habe das Landesgericht für Strafsachen Wien mit Beschluss vom 18. November 2015 das Ermittlungsverfahren gegen Freidl und die Lyoness Europe AG wegen Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betrugs und Pyramidenspiels eingestellt.

Die Oberstaatsanwaltschaft Wien ist derzeit dabei, sich die Dienstaufsichtsbeschwerde anzusehen. „Die Dienstaufsichtsbeschwerde liegt uns vor, sie ist derzeit in Prüfung“, so der Erste Oberstaatsanwalt Michael Klackl auf APA-Anfrage.

Auch der Anwalt Josef Fromhold erhebt schwere Vorwürfe gegen den zuständigen Staatsanwalt. Dieser habe ziemlich dilettantisch gearbeitet. „Ich habe ihn gefragt, warum er keine Geschädigten einvernommen hat. Da hat er gelacht und gesagt: ‚Ich habe genug Beweise'“, so Fromhold im Gespräch mit der APA. Der Staatsanwalt habe lediglich Entlastungszeugen vonseiten der Beschuldigten einvernommen. Die Unzulänglichkeiten im Ermittlungsverfahren ziehen sich laut Fromhold wie ein roter Faden durch den Strafakt. Beispielsweise sei es dem Ermittler nicht gelungen, 89.000 Euro auf einem Konto von Freidl zu beschlagnahmen – einen Beschluss dazu habe das Oberlandesgericht (OLG) Wien wegen Begründungsmängeln aufgehoben, nach mehrmaligem Hin und Her habe der Ermittler dann auf einen neuerlichen Antrag auf Beschlagnahme verzichtet. Auch das Straflandesgericht wies in seinem Beschluss auf Mängel hin. Die WKStA sei „nicht näher auf den Tatbestand des schweren gewerbsmäßigen Betruges eingegangen“, und da die Beschuldigten keine Gewinnchance vorgetäuscht hätten, „ergibt sich auch keine Strafbarkeit wegen Betruges“, wie das Gericht schreibt.

Ich kritisiere auch, dass der Staatsanwalt keine Beschlagnahmungen vorgenommen hat oder die „dringend gebotene Einsicht in die EDV“ entweder nicht verfügt oder formfehlerhaft begründet habe.

„Naturgemäß konnten bei solcherart geführter Ermittlungstätigkeit keine relevanten Ergebnisse zur weiteren Aufklärung des Tatvorwurfs gewonnen werden, sondern ermöglichten es den Beschuldigten, unbehelligt das System noch zu erweitern und verhalfen somit dem System zu noch mehr (nicht rückzahlbaren) Einnahmen“, heißt es in dem Ergänzungsschreiben zur Dienstaufsichtsbeschwerde, das mit 1. August 2016 datiert ist.

Für mich ist schon immer klar: Die Lyoness-Mitglieder sind getäuscht worden. Ihnen sei versprochen worden, dass sie Gewinne und Karriere machen könnten, wenn sie nur selbst fleißig bei Lyoness-Partnerunternehmen einkaufen… Ich werde mich erst zufrieden geben, wenn alle Geschädigten ihr investiertes Geld wieder zurück bekommen.

Lesen Sie dazu auch die aktuellen Presse-Artikel:

Tiroler Tageszeitung

Wirtschaftsblatt

 

Complaint due to careless investigation by the Prosecutor´s Office

We don´t want to accept the closing of the criminal investigations by the Austrian Prosecutor´s Office Against Economic Crime and Corruption (WKStA) into suspicions of systematic fraud and pyramid scheme on April 2016 and have therefore involved the Senior Public Prosecutor’s Office (OSTA) and presented a comprehensive disciplinary complaint.


The public prosecutor brought the draft of a criminal case to the Senior Public Prosecutor’s Office after a four years’ investigation in 2015 that had then to be deferred due to “serious formal and substantive shortcomings”. The public prosecutor didn´t comply with the following formal criteria: The Senior Prosecutor´s Office reprimand refers to the fact that after the content list, the heading “Justification” should have been inserted. It also criticises that the prosecutor should have limited himself to the “facts relevant to the charges under consideration” and supported his justification “in an illustrative, intelligible form”. “Reference is made to the remaining uncorrected grammar and typing mistakes, as well as to the coloured highlighting in the public prosecutor’s deferred draft”, reads a communication from OSTA to WKStA.

Despite the request for improvement that was received on July 9, 2015, the public prosecutor failed to act, as we and the Viennese lawyer Dr. Fromhold criticize. All this didn´t happen although the WKStA could have made the necessary corrections very easily.

After two months, no improved case was sent back. The Vienna Regional Criminal Court stopped therefore the criminal investigation against Friedl and Lyoness Europe AG for systematic fraud and pyramid scheme by a decision of November 18, 2015.

The Senior Prosecutor´s Office Vienna is currently investigating the disciplinary complaint. “The disciplinary complaint has been received and is currently being examined”, said the First Senior Prosecutor Michael Klackl to the Austrian Press Agency (APA).

Lawyer Josef Fromhold makes serious accusations against the responsible prosecutor too. He states that the prosecutor´s performance was amateurish. He also told APA: “I asked him why he hadn´t heard the damaged parties. He just laughed and said: ‘I´ve got evidence enough’”. The prosecutor only heard witnesses for the defence, Fromhold declared. He is sure, that the inadequacies of the criminal investigation are a recurring theme through the entire criminal file. He also points out, by way of example, that the investigators hadn´t managed to seize 89,000 EUR from one of Friedl´s accounts, adding that the corresponding decision had been repealed by the Higher Regional Court (OLG) Vienna due to defects in the statement of reasons required and that after some twists and turns the investigator had refrained from presenting a new application for seizure. In its decision, the Vienna Regional Criminal Court pointed out some shortcomings too. The court wrote that the Prosecutor´s Office against Economic Crime and Corruption (WKStA) didn´t “investigate fully the incrimination of systematic fraud”. It also stated that due to the fact that the suspects hadn´t pretended that there were chances of winning, “there is no condition for criminality due to fraud”.

We criticise also the fact that the prosecutor didn´t carry out or managed to justify without formal errors any seizures or an “urgently needed examination of the IT-system”, as the court defined it.

As it is stated in the complementary letter of the disciplinary complaint dated August 1, 2016: “Naturally, when investigations are carried out in such a way, no relevant results can be obtained to appraise the facts of the proceedings, but the suspect can continue expanding his system undisturbed. They helped the system to generate even more (non-recoverable) income.

It was always clear to us: Lyoness members were deceived. They were promised profits and a career if they kept buying at Lyoness partner companies… we will not stop until all damaged members have recovered the invested money.

See also the press articles:

Tiroler Tageszeitung

Wirtschaftsblatt

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