Lyoness mit Urteil (Az. 21 C 311/15m) vom 08.09.2016 ein „Schneeballsystem!“ (english translation herinafter)

Ein weiteres Urteil – Az. 21 C 311/15m – des Bezirksgericht für Handelssachen Wien vom 08.09.2016 bestätigt nun bereits zwei vorangegangene Urteile und festigt die bisherigen Entscheidungen zu Lyoness als Schneeballsystem. Es darf davon ausgegangen werden, dass Lyoness wieder auf Zeit spielt und mit Berufungen das Verfahren zeitlich in die Länge zu ziehen versucht.

Erläuterung zu „Anhang  Z 14 zu § 2 UWG„:

14.

Einführung, Betrieb oder Förderung eines Schneeballsystems zur Verkaufsförderung, bei dem der Verbraucher die Möglichkeit vor Augen hat, eine Vergütung zu erzielen, die überwiegend durch das Einführen neuer Verbraucher in ein solches System und weniger durch den Verkauf oder Verbrauch von Produkten zu erzielen ist.

 

Auszug aus dem Urteil (Seite 12 & 13):

Gemäß Anhang Z 14 zu § 2 UWG ist die Einführung, Betrieb oder Förderung eines Schneeballsystems zur Verkaufsförderung, bei dem der Verbraucher die Möglichkeit vor Augen hat, eine Vergütung zu erzielen, die überwiegend durch das Einführen neuer Verbraucher in ein solches System und weniger durch den Verkauf oder Verbrauch von Produkten zu erzielen ist, eine irreführende Geschäftspraktik. Der Tatbestand der Z 14 ist weiter als § 27 UWG und erfasst nicht bloß Vertragssysteme, bei denen mit dem Kunden eine unbedingte Zahlungspflicht und andererseits eine bedingte Leistungspflicht des Unternehmers vereinbart werden. Es genügt, dass der Kunde die (tatsächliche oder vermeintliche) Aussicht hat, eine Vergütung zu erzielen. Auch jene Fälle, in denen dem Kunden eine Gegenleistung des Unternehmers unbedingt zugesagt und zusätzlich ein Bonus in Aussicht gestellt wird, fallen darunter. Dieser Bonus muss auch nicht ausschließlich von der Zuführung neuer  Kunden abhängig sein. Es genügt, dass als Leistung des Kunden – allenfalls neben dem Erfordernis des Verkaufs oder Verbrauchs von Produkten – überwiegend das Zuführen  neuer Kunden erforderlich ist (Kucsko in Wiebe/Kodek, UWG2 § 27 Rz 22). Damit das Per-se-Verbot anwendbar ist, muss die zu erzielende Vergütung hauptsächlich durch die Einführung neuer Verbraucher entstehen. Das liegt vor, wenn nicht die durch den Verkauf von Produkten erzielbare Marge, sondern die Werbungsprämie für Neukunden im Vordergrund steht …

… Tatsächlich wird für den Kunden die Teilnahme am System der Beklagten erst durch die „erweiterten Mitgliedsvorteile“ iSd Pkt. 7 der ZAGB lukrativ, die jedoch weitgehend davon abhängen, dass der Kläger Neukunden anwirbt. So etwa entsteht der Anspruch des Kunden auf die (eigentlich profitablen) Treue- bzw Partnerprämien (bis zu 18,75% auf Treueprämien geworbener Kunden) erst, wenn direkt geworbene Mitglieder bestimmte „Einheiten“ bilden (durch Einkäufe oder anderweitige Kapitalzufuhr) bzw selbst Treueprämien erwerben (Pkt. 7.2., 7.6. der ZAGB). Bei wirtschaftlicher Betrachtung erfolgt die Vergütung überwiegend über die Anwerbung neuer Mitglieder und deren Kapitalleistungen an die Beklagte. Insgesamt handelt sich daher um eine irreführende Geschäftspraktik im Sinne der Z 14 des Anhanges zu § 2 UWG. Die geschlossenen  Verträge  sind  demnach  unwirksam  iSd  §  879  ABGB,  weshalb  der Kläger …

(dieses Urteil ist nach bisherigen Stand ab 08.10.2016 rechtskräftig!)

 

Lyoness declared “Pyramid Scheme” on judgement (case file 21 C 311/15m) from 09/08/2016!

An additional judgement (case file 21 C 311/15m) of the Vienna District Court for Commercial Matters from 09/08/2016 confirms two previous judgements and consolidates previous rulings that define Lyoness as a pyramid scheme. We expect Lyoness to try to play for time and drag on the process with appeals.

Definition (in German) on „Annex, l. 14 to art. 2, UWG (Unfair Competition Law)„:

14. Establishment, operation or promotion of a pyramid scheme to promote sales that

offers consumers a remuneration based mainly on the introduction of new

consumers to such a system and less on the sale or consumption of products.

Extract of the judgement (pages 12 & 13):

According to l. 14 of the annex to art. 2 of the UWG, the establishment, operation or promotion of a pyramid scheme to promote sales that offers consumers a remuneration based mainly on the introduction of new consumers to such a system and less on the sale or consumption of products constitutes a deceptive business practice. The offense described on l. 14 goes further than the one on art. 27 of the UWG and comprises contract systems where the customer has agreed to an absolute paying obligation but the company only to a limited obligation to fulfill the contract. It suffices that the customer has the prospect of obtaining a (factual or alleged) remuneration. Also cases where the company has promised the customer a return and an additional bonus fall into this definition. This bonus doesn’t have to depend solely on the introduction of new customers. It suffices if the customer´s rendered service (if applicable, parallel to the requirement to sell or consume products) is mainly the introduction of new customers (Kucsko in Wiebe/Kodek, UWG2 art. 27 margin note 22). A per se prohibition applies if the remuneration to be obtained is mainly obtained through the introduction of new customers. This is the case if the recruitment of new customers and not the attainable margin is at the forefront…

… In Reality the participation in the system becomes profitable in the first place through the “enhanced customer benefits” within the meaning of P. 7 of the ZAGB (General and Payment Terms and Conditions), which depends mainly on the plaintiff recruiting new customers. The customer´s entitlement to (the actually profitable) loyalty and partner bonuses (up to 18.75% share of loyalty bonuses of recruited customers) arises first if the members recruited directly by the old member form “units” (through purchases or capital investment) or if the new members purchase loyalty bonuses themselves (pt. 7.2 & 7.6 of the ZAGB). From an economic point of view, the remuneration is mainly obtained through the recruitment of new members and their capital transfers to the defendant. In whole, this is therefore a deceptive business practice within the meaning of l. 14 of the Annex to art. 2 of the UWG. The signed contracts are therefore ineffective within the meaning of art. 879 AGBG (Austrian General Civil Code), which is why the plaintiff …

(as things stand today, this judgement will acquire legal force on 10/08/2016!)

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