Lyoness / Nach Norwegen nun auch Verbot der Lyconet-Praktiken in Italien! (english version hereinafter)

Die italienische Wettbewerbsbehörde (AGCM) hat mit Beschluss vom 19.12.2018 wie die norwegische Aufsichtsbehörde bereits zuvor festgestellt, dass die Geschäftspraktiken von Lyoness/Lyconet falsch (unkorrekt/regelwidrig) sind und verbietet die Verbreitung und Fortführung.

Seite 35 im Beschluss: ( Beschluss/Decision Italy 19.Dec. 2018 )

DELIBERA (Entscheidung)

a) che la pratica commerciale descritta al punto II del presente provvedimento, posta in essere dalle società Lyoness Italia S.r.l., nella qualità di professionista ai sensi dell’articolo 18, comma 1, lettera b), del Codice del Consumo, costituisce, per le ragioni e nei limiti esposti in motivazione, una pratica commerciale scorretta ai sensi degli articoli 20, 21 comma 1, lettere b) e c), e 22, nonché dell’articolo 23, comma 1, lettera p), del Codice del Consumo e ne vieta la diffusione o continuazione;

–> die Praktiken von Lyoness Italia S.r.l. sprechen gegen Artikel 20, 21 (usw.). Ihre Praktiken sind somit falsch (unkorrekt/regelwidrig)

–> da  deren Praktiken Artikel 23 verletzt, und verbietet deren Verbreitung und Fortsetzung

Zunächst wurde eine Geldstrafe in Höhe von 3,2 Mio. € verhängt, die lediglich als Warnschuss zu verstehen sein dürfte. Wesentlich schwerer wiegen die Ergebnisse der Untersuchung, die denen in Norwegen gleichen. Dies verwundert nicht, hat Lyoness doch in allen vertretenden Ländern die gleiche Vorgehensweise und Struktur.

Die Aufsichtsbehörde für Wettbewerb und Markt (AGCM) hat nach Abschluss eines langen Untersuchungsverfahrens wie Norwegen festgestellt:

Das von Lyoness Italien S.r.l. verwendete System zur Bewerbung des Kaufmodells „Cashback“ inkorrekt ist, da es ein Pyramiden-, Schneeballsystem darstellt, was vom Verbraucherschutzgesetz als eine auf jeden Fall irreführende Geschäftspraxis eingestuft wird.

Das System dreht sich um die Cashback-Karte, mit der Kundinnen und Kunden in bestimmten Geschäften beim Einkauf “Geld sparen” können. Lediglich die Führung des Lyoness-Systems hat mit der “Karriere” der Mitarbeitenden große Gewinne erzielt.

Das Bewerbungssystem verwendet die Vorteile dieses Cashback-Systems nur als Vorwand, in Wirklichkeit wird auf Rekrutierung einer hohen Anzahl von Marketern als Verkaufsbeauftragte gesetzt. „Sind diese ‚beigetreten‘, wird von ihnen eine sehr hohe ‚Eintrittsgebühr‘ von 2.400 Euro verlangt, um das erste Kommissions-Level zu erreichen, und die ‚Karriere‘ als Lyconet Premium Marketer beginnt. Daraufhin muss der Marketer andere Verbraucherinnen und Verbraucher anwerben, und weitere Zahlungen tätigen, um einen ‚Karrierefortschritt‘ zu erreichen“, so ein Sprecher der Behörde.

Im Zuge des Untersuchungsverfahrens ist festgestellt worden, dass das Cashback-System in Wirklichkeit nur einen sekundären Rang im wirtschaftlichen Umsatz des Systems Lyoness hat, nämlich 16 %. Die restlichen 84 % werden durch den Verkauf von Lyconet-Produkten erzielt! Soviel zu der sogenannten „Einkaufsgemeinschaft“ Die Erreichung von hohen Levels bei den Shopping Points (der Entgeltmechanismus des Zahlungsplans) ist nämlich nur möglich, wenn die teilnehmenden Verbraucher oder die von ihnen rekrutierten Personen weitere Summen einzahlen. Wie festgestellt wurde, haben mehrere zehntausend Verbraucherinnen und Verbraucher diese Summen eingezahlt, um in das System aufgenommen werden und darin bleiben zu können, und nur ganz wenige Personen hätten es geschafft, effektiv relevante Positionen zu erreichen.

„Die Regulierungsbehörde hat des Weiteren festgestellt, dass die Methoden, mit denen die Eigenschaften, die Bedingungen und Fristen des Systems vorgestellt wurden, irreführend sind; die einzelnen Aspekte wurden weder bei Events noch auf den Webseiten angemessen erklärt. Auch fehlen auf den Webseiten einige Angaben, die für Verträge im Fernabsatz notwendig sind, wie z.B. Informationen über die Behandlung von Beschwerden, über das Rücktrittsrecht und den Gerichtsstand“.

Lyoness Italien hat nun zwei Monate Zeit, um einen neuen Marketingplan vorzulegen, der dann von der AGCM genehmigt werden muss. Verschiedene italienische Lyconet-Präsidenten behaupten, sie hätten alle bemängelten Punkte im Beschluss bereits umgesetzt und hierfür „ein OK von der AGCM erhalten.“ Nach Rücksprache mit der AGCM ist diese Behauptung falsch. Die AGCM hat nichts dergleichen erhalten oder genehmigt. Im Moment können mit der Cashback-Karte noch weiter Einkäufe getätigt und auch noch KMUs hinzugefügt werden. Aber alles was Premium, ESP, Cloud, EC1 und EC2 (die Haupteinnahmequelle) betrifft, ist untersagt. (Bekannt aus Norwegen!)

Die Reaktion von Lyoness Italia ist bekanntes „Krisen-Wording“, die bemängelnden Lyconet-Geschäftspraktiken erwähnt man nicht:

Lieber Lyconet-Vermarkter, (Google-Translate) Im Rahmen der Anfragen der Wettbewerbsbehörde (AGCM) an Lyoness möchten wir Sie darüber informieren, dass wir die Entscheidung der AGCM erfahren haben. Wir sind mehr als überrascht von dieser jüngsten Entscheidung und werden natürlich alle erforderlichen rechtlichen Maßnahmen ergreifen.

Wir stellen fest, dass wir nach dem Beginn der AGCM-Untersuchung im September 2018 geeignete Maßnahmen ergriffen und sofort auf die Einwände der Behörde reagiert haben. Umso erstaunter sind wir über die jüngste Entscheidung, die uns in keiner Weise plausibel ist, auch wenn die bereits am System vorgenommenen Änderungen berücksichtigt werden. In der ganzen Welt ist Lyoness ein Unternehmen, das die Vorschriften einhält, wie die Schließung von Verfahren in Österreich zeigt. Lyoness ist eine internationale Einkaufsgemeinschaft mit 11 Millionen Mitgliedern und über 120.000 Partnerunternehmen. In Italien erhalten täglich mehr als 1,5 Millionen Mitglieder Vorteile von mehr als 25.000 verbundenen Unternehmen, die jeden Monat mehrere zehn Millionen Einkäufe in den Kreis der verbundenen Unternehmen fließen lassen.

Wie bereits erwähnt, werden wir uns an den entsprechenden Stellen dieser Entscheidung widersetzen. Wir können auf ein Team kompetenter Anwälte und kompetenter Superpartes  zählen, die unsere Sichtweise unterstützen. Wir sind zuversichtlich, dass wir diesen Fall wie in Österreich zu einem positiven Ergebnis bringen werden. Daher ändert sich nichts daran, dass unsere Mitglieder weiterhin Vorteile aus ihren Einkäufen erhalten und kleinen und mittleren Unternehmen weiterhin das Treueprogramm zur Verfügung gestellt wird.

Natürlich halten wir Sie auf dem Laufenden.

Mit besten Grüßen, Lyoness Italia S.r.l. „


Lyoness: Following Norway, Italy now also prohibits Lyconet practices!

The Italian competition authority (AGCM) adopted a decision (19 December 2018) – as the Norwegian competition authority did before – showing that Lyoness/Lyconet’s business practices are wrong (incorrect/irregular) and now prohibits its dissemination and continuation. Amongst others, investigations are currently still in progress in Poland.

Page 35 of the Italian decision: ( Beschluss/Decision Italy 19.Dec. 2018 )

DELIBERA (Decision)

a) che la pratica commerciale descritta al punto II del presente provvedimento, posta in essere dalle società Lyoness Italia S.r.l., nella qualità di professionista ai sensi dell’articolo 18, comma 1, lettera b), del Codice del Consumo, costituisce, per le ragioni e nei limiti esposti in motivazione, una pratica commerciale scorretta ai sensi degli articoli 20, 21 comma 1, lettere b) e c), e 22, nonché dell’articolo 23, comma 1, lettera p), del Codice del Consumo e ne vieta la diffusione o continuazione;

  • è the practices of Lyoness Italia S.r.l. infringe Article 20,21 (and so on). Their practises are therefore wrong (uncorrect/irregular).
  • è since their practices infringe Article 23 and prohibits their dissemination and continuation.

First, a fine of 3.2 Mio € was imposed, which could be seen as a warning shot. Significantly more serious are the findings of the investigations that are similar to Norway’s findings. This is no surprise since the structure and procedures of Lyoness are the same in all countries.

After the conclusion of a long inquiry, the competition authority (AGCM) stated that:

The promotion system for the purchase model “Cashback” Lyoness Italy S.r.l. uses, is incorrect, because it is a pyramid scheme/snowball system, which the Consumer Protection Act classifies as a definitely misleading business practice.

The system revolves around a fee-based discount card with which consumers can “save money” in certain stores. Only the leaders of the Lyoness system yielded high profit rates with the members’ “careers”.

The promotion system used the advantages of the Cashback system just as a pretext and in fact, banked on the recruitment of a high number of consumers as their sales representatives. “After they have ‘joined’, a very high ‘entry fee’ is requested for reaching the first commission level and the start of their ‘career’ as Lyconet Premium Marketers. After this, the marketer has to recruit other consumers and has to make further payments for their ‘career progress’”, said a spokesperson of the authority.

Within the inquiry, it was it has been found that the Cashback system in fact has a secondary position within the economic turnover of the Lyoness system, namely 16%. The remaining 84% are achieved by the sale of Lyconet products! So much for the so-called “purchasing association”. It is only possible to reach a high level of Shopping Points (the compensation mechanism of the payment plan) if the participating consumers or persons recruited by them make further payments. As it has been noted, several ten thousand consumers made these payments to become included and to stay in the system. Only a few people were effectively able to reach relevant positions.

“The regulation authority further noted that methods with which properties, conditions and time limits of the system were presented, are misleading. The different aspects have neither been explained at events nor on the websites. Also, some necessary indication on distance selling contracts, as for example information on the right of withdrawal, the place of jurisdiction and dealing with complaints are missing on the websites.”

Lyoness Italy now has two months left for submitting a new marketing plan that has to be approved by the AGCM. Several Italian Lyconet presidents asserted that they already have implemented all points criticised by the resolution and that they “have received an ‘OK’ from the AGCM”. After consultation with the AGCM, this assertation is incorrect. The AGCM did not receive anything or authorise anything like that. Right now, purchases can still be made with the Cashback card and SMEs can still be added. But anything concerning Premium, EST, Cloud, EC1 and EC2 (the main source of income) is prohibited. (We already know all this from Norway!)

Lyoness reacts with long known “crisis wording”, the criticised Lyconet business practices are not mentioned:

„Dear Lyconet Marketer, (Google-Transalte) 

In the context of the requests of the competition authority (AGCM) to Lyoness we would like to inform you, that we have heard the decision of the AGCM. We are more than surprise by this latest decision and will of course take all necessary legal measures.

We note that took suitable measures after the beginning of the AGCM inquiry in September 2018 and that we reacted to the authority’s objection immediately. We were therefore even more astounded about the latest decision, which is not plausible for us in any way, even if the changes of the system already made are being regarded. In the whole world, Lyoness is a company that meets the requirements as shown by the closing of proceedings in Austria.

Lyoness is an international purchasing association with 11 million members and more than 120,000 partner companies. In Italy, more than 1.5 million members are daily receiving benefits from more than 25,000 related companies that are feeding tens of millions of purchases back into the community of related companies every month.

As already mentioned, we will oppose this decision at the appropriate places. We can count on a team of competent lawyers and competent independents (super partes), who are supporting our view. We are confident that, like in Austria, we will reach a positive outcome. Therefore, our members will still receive benefits from their purchases and the loyalty program will still be provided to small and medium-sized enterprises.

Of course, we will keep you up-to-date.

With best regards, Lyoness Italia S.r.l.“